«Wir müssen in die IKT-Qualifikation aller EU-Bürger investieren, damit bei der Digitalisierung der Wirtschaft niemand zurückbleibt. Alle sollten Computer und das Internet verwenden können und verstehen, wie das Netz funktioniert und wie man auf Online-Informationen zugreift.» Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani, zuständig für Industrie und Unternehmen
Fitness in der Informationstechnik wird zum Schlüssel des beruflichen Erfolgs für den Einzelnen und zur Bedingung für Wirtschaftswachstum. Weil die Defizite groß sind, will die EU-Kommission Abhilfe schaffen.
Der Videospot auf Youtube setzte es in Slapstick-Manier fröhlich, aber drastisch in Szene: Eine Hellseherin liest zwei jungen Männern die Zukunft aus der Glaskugel – sie werden beruflich in der Sackgasse landen. Einer jungen Frau aber verspricht sie strahlende Aussichten, dank Computerwissen wird sie am Notebook erfolgreich Mode entwerfen.
Das ist die Botschaft, die auch von der CeBit ausging. Mit dem Projekt „e Skills Week“ wirbt die EU-Kommission bei jungen Menschen dafür, sich für Jobs im IT-Bereich zu interessieren. Getragen wird die Kampagne vom europäischen Verband DIGITALEUROPE gemeinsam mit dem EU Schoolnet, einem Netzwerk aus 31 Bildungsministerien und dem Bundesverband BITCOM als Partner in Deutschland. Auf der CeBit fiel mit einem hochkarätigen Kongress der Startschuss. Vom 2. bis 5. März drehte sich erstmals parallel zur internationalen Computermesse in 35 europäischen Ländern alles um den hohen Stellenwert von Informations-und Kommunikationstechnologien (IKT) im Berufsleben.
Die Nachfrage nach digitaler Kompetenz ist kräftig gestiegen: Fast vier Millionen Berufstätige haben sich in Europa auf IKT spezialisiert, mehr als doppelt soviel wie 1995. Weniger als die Hälfte von ihnen arbeitet in einem traditionellen IKT-Beruf, die anderen sind im Automobil-, Medien,- Banken- oder Grafikbereich tätig.
Die europäischen Bildungs-und Ausbildungssysteme haben mit der rasant steigenden Nachfrage nach digitaler Kompetenz nicht Schritt gehalten.
Fachleute wie Achim Berg, Chef von Microsoft Deutschland und Beiratsvorsitzender der Initiative ITFitness, hat beobachtet, dass viele Jungen und Mädchen beim Chatten und Gaming ganz schön smart sein mögen, im Bewerbungsgespräch aber weniger gut abschneiden.
Bei deutschen Handwerksbetrieben erhobene Daten ergaben: 46 Prozent der rund 500.000 Lehrlinge im Handwerk besitzen keine ausreichenden Kenntnisse im Umgang mit Computern und dem Internet.
Das World Wide Web, ohne das in der Informationsgesellschaft kaum noch etwas geht, nutzen nur 40 Prozent aller Lehrlinge mit der nötigen Routine. Dabei muss laut Statistischem Bundesamt bereits jeder zweite Berufstätige in Deutschland am Arbeitsplatz mit einem Computer umgehen. In vier Jahren wird nur noch jede zehnte Arbeitsstelle keine IT-Kenntnisse erfordern, besagt eine Studie, die Microsoft erstellen ließ. Die Luft wird dünn für die 15 Prozent Arbeitnehmer, die keine Grundkenntnisse in Sachen PC und Internet haben.
Das ist nicht nur für die Betroffenen ein Problem, denn der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bremst das Wachstum. Ständig entstehen neue Anwendungen und Märkte, die qualifiziertes Personal erfordern.
Europa könnte an Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Deshalb hält die EU-Kommission dagegen: Sie will Europa in eine Wissensgesellschaft verwandeln, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. e Skills sollen dem Mangel an IT-Fachkräften entgegenwirken und Arbeitsplätze schaffen – rund 400.000 könnten es binnen fünf Jahren allein in diesem Bereich sein.
Quelle: EU Nachrichten / Nr. 8
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