
Gleich die erste Arbeitssitzung des im Mai 2009 gegründeten Parlamentskreises Automobiles Kulturgut begann mit einer positiven Nachricht. Auch nach der Einführung schärferer Grenzwerte für Stickoxide bleiben Oldtimer von Fahrverboten in Umweltzonen ausgenommen – der bestehende Ausnahmekatalog wird auf die vor einigen Tagen verabschiedete 39. Bundesimmissionsschutzverordnung übertragen.
Das Wechselkennzeichen – Zum Greifen nah
Jens Koeppen (CDU), neuer Leiter des Parlamentskreises, nachdem Initiator Dr. Andreas Scheuer (CSU) nach der Bundestagswahl zum Staatssekretär aufrückte, hatte am 10. Februar im Sitzungssaal des Verkehrsausschusses aber noch eine weitere Überraschung parat: Das Wechselkennzeichen soll kommen. Nach jahrelangen Diskussionen plant das Bundesverkehrsministerium derzeit ernsthaft dessen Einführung. Auf diese Weise soll Autofahrern die zusätzliche Anschaffung eines umweltfreundlichen, vielleicht sogar abgasfreien Fahrzeugs für den Kurz- und Mittelstreckenbetrieb schmackhaft gemacht werden. Die mit Verbrennungsmotor betriebene Limousine für die Autobahnfahrt, der kompakte Hybridler oder das Elektroauto für die Stadt, dieses Modell schwebt derzeit den Politikern vor. Der Oldtimer war hierin bislang nicht vorgesehen, der Parlamentskreis Automobiles Kulturgut will sich dafür einsetzen, dass zusätzlich zum Alltags- und Stadtauto als drittes Fahrzeug ein Klassiker bewegt werden kann. Mehr als drei Autos sollen nach gegenwärtigem Diskussionsstand ohnehin nicht auf ein Kennzeichen fallen. Die Versicherungswirtschaft feilt bereits an Konzepten, wie diese Neuerung tarifmäßig umgesetzt werden kann. Ein reines Oldtimer-Wechselkennzeichen ist zwar nicht geplant, die Anregungen hierzu sollen aber an den Verkehrsausschuss weitergegeben werden.
Berufsbild Oldtimer-Restaurator – Das Know-How geht in Rente
Kein Bedarf an ausgebildeten Fahrzeug-Restauratoren? Das konnte niemand so recht glauben.
Für ungläubiges Staunen sorgten die Ausführungen, die Andrea Zeus vom ZDK (Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes) zum Thema Berufsbild für Oldtimerrestaurierung machte. Laut einer Umfrage unter den ZDK-Mitgliedsbetrieben besteht hierfür bundesweit gerade mal ein Bedarf an 36 Ausbildungsplätzen. Eine Zahl, die Mercedes-Restaurator Klaus Kienle kaum glauben konnte: „Der Bedarf an solchen Kräften steigt immer mehr, mittlerweile werden schließlich sogar Youngtimer aus den 80er und 90er Jahren restauriert, weil für manche Modelle keine Ersatzteile mehr erhältlich sind.“ Dringenden Handlungsbedarf sah auch Reinhard Sachse von Steenbuck Automobiles: „Manche Autos kann man Kunden nur verkaufen, wenn eine geeignete Werkstatt in der Nähe des Wohnortes ist.“
Neben der Verwendung von 07er Kennzeichen im Ausland und der Auswirkungen des nachträglichen Einbaus von Gasanlagen stand auch die Ausnahme vom Lkw-Sonntagsfahrverbot für Oldtimer auf der Agenda. Laut Stefan Röhrig, Leiter des historischen Referats beim Verband der Automobilindustrie (VdA), bietet jedes Bundesland die Möglichkeit – auch im Vorfeld – Ausnahmegenehmigungen einzuholen. Bedarf für eine dauerhafte und generelle Ausnahmegenehmigung bestehe auch nach Rücksprache mit dem Nutzfahrzeugverband nicht.
H-Kennzeichen ohne blaues Rechteck – Nach Bremen jetzt auch Hessen
Kurz vor Sitzungsende konnte DEUVET-Vizepräsident Peter Schneider der mit über 40 Teilnehmern unerwartet großen Runde aus Parlamentariern, Clubvorständen und Wirtschaftsvertretern zum Schluss noch mit einer weiteren positiven Nachricht erfreuen: Nach Bremen bietet nun auch Hessen originalitätsbewußten Oldie-Fahrern die Möglichkeit, ihr H-Kennzeichen ohne blaues Euro-Rechteck zu bekommen. Ein Erfolg, der auf die Aktivitäten seines Verbandes zurückgeht.
Quelle: Oldtimerinfo.de - zum Artikel (extern)
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