Jens Koeppen ist am 18. September in den neuen Bundestag gewählt worden. Das Besondere: Der 43-Jährige ist Unternehmer und als solcher eine echte Rarität, denn nur knapp sieben Prozent aller Abgeordneten sind Selbstständige [1]. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat Jens Koeppen gefragt, mit welchen Zielen ein Unternehmer in den Bundestag zieht.
INSM: Herr Koeppen, Sie sind im Wahlkreis Uckermark-Barnim im nördlichen Brandenburg für die CDU über die Landesliste in den Bundestag gewählt worden. Warum wollten Sie in die Politik?
Jens Koeppen: Ich bin seit 15 Jahren Unternehmer und da ist es mir wichtig, dass ich mitgestalten kann. Für meine Begriffe ist es enorm wichtig, dass deutlich mehr Unternehmer in die Politik gehen und so hab’ ich vor zwölf Jahren mit der Kommunalpolitik angefangen, übernahm 2001 den Kreisvorsitz meiner Partei in der Uckermark und übe dieses Amt bis heute aus, wurde 2003 in den CDU-Landesverband Brandenburg gewählt und jetzt bin ich im Bundestag.
INSM: Wie konkret wollen Sie als Unternehmer in der Politik mitwirken? Was sind Ihre Ziele?
Jens Koeppen: Man muss jetzt erst einmal die Koalitionsverhandlungen abwarten, aber ich würde ganz konkret gerne im Ausschuss Bauen, Wohnen und Verkehr mitarbeiten …
INSM: … warum gerade da?
Jens Koeppen: … weil ich dort sehr viel für meinen Wahlkreis und für mein Bundesland tun kann, der Ausschuss befasst sich ja unter anderem mit dem Bundesverkehrswegeplan und da geht es um wichtige Infrastrukturmaßnahmen. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird es in diesem Ausschuss wieder – wie schon in der letzten Wahlperiode – insgesamt um den Aufbau Ost gehen.
INSM: Herr Koeppen, Sie haben seit 15 Jahren einen Elektroinstallationsbetrieb mit 20 Mitarbeitern, dazu noch fünf Lehrlinge. Sind Sie damit nicht ausgelastet?
Jens Koeppen: Mehr als das, aber ich will erreichen, dass in der Politik mehr unternehmerisches Denken Einzug hält. Unternehmer wissen ganz genau, was draußen wirklich passiert: Wie schwierig es zum Beispiel in der jetzigen Zeit ist, Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten, gerade in unserer Region. Oder nehmen sie den Haushalt und die Staatsfinanzen: Als Unternehmer kann ich nur das Geld ausgeben, das ich vorher eingenommen habe. Das ist in der Politik bislang leider nicht so. Und wenn ich mich als Unternehmer so verschulden würde, wie es die Öffentliche Hand schon seit Jahren macht, dann wäre ich als Selbstständiger längst weg vom Fenster.
INSM: Wie wollen Sie diese Ziele in Ihrer Arbeit konkret umsetzen?
Jens Koeppen: Natürlich hinkt der Vergleich, der Staat ist kein Unternehmen. Trotzdem glaube ich, dass wir versuchen müssen, die Politik wieder stärker mit den Realitäten zu konfrontieren, das muss eine deutlich größere Rolle spielen. Ganz konkret müssen wir mit unserem Geld haushalten und wir müssen vor allem auch Arbeitsplätze schaffen. Das macht der Unternehmer und der Politiker schafft die Rahmenbedingungen dazu.
INSM: Und wie?
Jens Koeppen: Indem wir die Lohnnebenkosten senken. Wir müssen zudem die Kosten der Sozialversicherung, wie Gesundheit, Rente usw. von den Arbeitskosten abkoppeln, damit Arbeit bei uns in Deutschland wieder bezahlbar wird.
INSM: Glauben Sie, dass Sie als Unternehmer im Bundestag diese Ziele tatsächlich erreichen können?
Jens Koeppen: Wenn ich daran mitwirken kann, bin ich schon sehr zufrieden. Schauen Sie, wir haben in der Unionsfraktion den "Parlamentskreis Mittelstand" (PKM), da sind Bundestagsabgeordnete drin, die entweder selbst Unternehmer sind oder Geschäftsführer, also alles Leute, die unmittelbar aus der unternehmerischen Praxis kommen, also aus derselben Ecke wie ich. Wenn wir es schaffen, dass in den Ausschüssen, wo der Großteil der politischen Arbeit gemacht wird, z.B. Gesetze vorbereitet und ausgearbeitet, dann sind wir dem Ziel, mehr unternehmerisches Denken in die Politik zu bringen, schon ein großes Stück näher gekommen.
INSM: Von den insgesamt 603 Abgeordneten im neuen Bundestag sind die wenigsten Unternehmer. Haben Sie nicht Angst, mit Ihren Zielen zu scheitern?
Jens Koeppen: Ich bin als Unternehmer daran gewohnt, Niederlagen einzustecken, aber ich bin es genauso gewohnt, immer wieder neu anzufangen und nie aufzugeben. Natürlich werde ich nicht alle meine Ziele sofort umsetzen können, aber wichtig ist doch, dafür einzutreten und dass ich als Unternehmer im Bundestag mit dazu beitrage, das Bewusstsein für unternehmerisches Denken zu schärfen. Wir sind immerhin eine führende Wirtschaftsnation, da sollte die Wirtschaft in der Politik doch auch eine große Rolle spielen.
INSM: Ihr Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter, das führt man ja nicht so nebenbei, dazu kommt jetzt noch die politische Arbeit in Berlin und natürlich Ihre Familie. Wie organisieren Sie das alles?
Jens Koeppen: Ich bin darauf angewiesen, dass alle mitziehen: Die Familie muss das mittragen, aber das haben wir im Vorfeld besprochen. Die Leute in der Firma müssen das natürlich auch mittragen. Und ich habe aber in Form meines Geschäftspartners eine große Unterstützung: Er führt die Tagesgeschäfte und ich bin künftig überwiegend beratend tätig, sonst könnte ich das alles nicht machen.
INSM: Wie sehen Ihre weiteren politischen Ziele aus: Möchten Sie vielleicht mal Minister werden?
Jens Koeppen: So etwas steht nicht auf der Tagesordnung. Ich will das, was ich mache, gut machen und vor allem so, dass man Ergebnisse sieht. Wenn sich später irgendetwas anderes ergibt, dann wäre das o.k., aber im Moment kann davon keine Rede sein.
INSM: Herr Koeppen, wir bedanken uns für dieses Gespräch!
[1] Stand: 15. Bundestag; für die neue Wahlperiode liegen noch keine aktuellen Zahlen vor
Welche Variante der Kennzeichnung zum Nährwertgehalt auf Lebensmittelverpackungen würden Sie bevorzugen?
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