Am 23.05.2009 - dem 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland - hat die Bundesversammlung Horst Köhler erneut zum Bundespräsidenten gewählt. Als Abgeordneter des Deutschen Bundestages war ich Mitglied der Bundesversammlung.

60 Jahre nach dem der Parlamentarische Rat unter dem Vorsitz von Konrad Adenauer das Grundgesetz unterzeichnet und in Kraft gesetzt hat und 20 Jahre nach dem Fall der Mauer hatte ich als Mitglied der Bundesversammlung die außergewöhliche Ehre, unseren Bundespräsidenten zu wählen. Bereits seit 1974 wird traditionell die Wahl am Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes durchgeführt.
60 Jahre Bundesrepublik Deutschland sind eine Erfolgsgeschichte. Vor 20 Jahren haben wir die Teilung Deutschlands durch die friedliche Revolution in Ostdeutschland überwunden und leben in einem friedlichen gemeinsamen Europa.
Wir können heute stolz sein auf das, was die Menschen seit 1949 in Deutschland erreicht haben. Wir können stolz sein auf unser Land. Das Grundgesetz hat einen maßgeblichen Anteil am Gelingen dieser Erfolgsgeschichte. Es hat strenge Regeln für den politischen Prozess vorgegeben und es hat aus den Erfahrungen der brutalen Diktatur des Dritten Reiches und der Weimarer Zeit die richtigen Lehren gezogen. Die wohl wichtigste Kernaussage heißt: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Im Folgenden möchte ich Ihnen eine kurze Impression des für mich so besonderen und beeindruckenden Tages geben:
Nach einem Christlichen Morgenlob in der St. Hedwigs-Kathedrale und einer Fraktionssitzung nahmen wir CDU/CSU-Abgeordneten zusammen mit den anderen Mitgliedern der Bundesversammlung im eigens für diesen wichtigen Tag umgestalteten Plenarsaal Platz. Um 12 Uhr eröffnete der Präsident des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert, mit einer festlichen Ansprache die 13. Bundesversammlung.
Der erste Wahlgang mit Namensaufruf aller 1223 Mitglieder der Bundesversammlung begann. Im Anschluss wurden die Stimmzettel ausgezählt. In meiner Funktion als Schriftführer des Deutschen Bundestages nahm ich auch an dieser Auszählung teil.
Das Ergebnis der Auszählung: Bundespräsident Horst Köhler wurde mit 613 Ja-Stimmen im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Horst Köhler setzte sich mit klarem Vorsprung gegen die SPD-Kandidatin Gesine Schwan durch, die 503 Stimmen erhielt. Für den Kandidaten der Linksfraktion, Peter Sodann, votierten lediglich 91 Mitglieder der Bundesversammlung. Auf einen vierten Kandidaten entfielen 4 Stimmen. Es gab 10 Enthaltungen und zwei Stimmzettel waren ungültig. Der Bundestagspräsident ordnete eine zweite Auszählung an und gab wenig später das Ergebnis offiziell bekannt.
Der „neue alte Bundespräsident“ wurde mit minutenlangem Beifall gefeiert.
In einer kurzen Ansprache unmittelbar nach der Verkündigung des Ergebnisses ging der Bundespräsident auf die aktuelle Krisensituation ein und rief zu Zuversicht auf: "Wir werden es schaffen. Überall in Deutschland gibt es Ideen und Tatkraft."
Eines Tages werde man sagen, man habe in dieser Zeit viel gelernt, sagte Köhler. Das Land sei stark, und dieser Stärke werde man sich bewusst sein. "In unserer Demokratie gilt jede Stimme, doch zur Erfüllung gehört auch das Gefühl: Jeder wird gebraucht." Jeder solle erfahren, dass es auf ihn ankommt.
"Bewahren, was wertvoll ist, verändern, was notwendig ist – dabei möchte ich helfen", betonte Köhler. Der 66-Jährige sagte, mit zunehmendem Alter werde er immer neugieriger und freie sich auf die kommenden fünf Jahre. Köhler bedankte sich in sehr persönlichen Worten bei seiner Frau Eva Luise und schloss seine kurze Ansprache mit den Worten: "Gott segne unser Deutschland."
Das Lied der Deutsche - unsere Nationalhymne - klang an diesem Tag besonders feierlich und ergreifend.
Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir mit Horst Köhler genau den richtigen - in der Bevölkerung sehr beliebten - Bundespräsidenten für unser Land haben. Seine Wiederwahl ist ein gutes Signal für unser Land in einer Zeit, in der es auf Stabilität, Fachverstand und Souveränität ankommt.
Ich bin stolz darauf, dass ich im Namen der meisten Deutschen diesen Präsidenten wählen durfte.
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