Die Diskussion um eine Verlängerung der Laufzeiten für bestehende Kernkraftwerke artet in einen Glaubenskrieg aus. Dabei geht es den Kontrahenten nicht um eine sachliche Diskussion und um eine unabhängige, umweltschonende und preisgerechte Energieversorgung, sondern um eine ideologische Austragung von Argumenten um das Für oder Wider eines Ausstieges aus der Atomkraft.
Eines ist aber klar: Angesichts steigender Energiepreise und spürbarer Klimaveränderungen werden wir in Deutschland auf absehbare Zeit nicht auf die Kernenergie verzichten können. Warum?
Das ehrgeizige Ziel, aus der Atomenergie auszusteigen ist ehrenwert. Es gibt unbestreitbar Risiken beim Betrieb eines Atomkraftwerkes und es gibt das ungelöste Problem der Endlagerung.
Aber ein Ausstieg darf nicht im Alleingang geschehen. Er muss vielmehr europa- und weltweit begleitet werden. Deutschland lebt nicht unter einer Käseglocke. Das Motto: „Wir sind sauber, was interessiert uns der Rest der Welt“, ist nicht nur armselig, sondern unverantwortlich. Wir transportieren Risiko und Endlagerproblem nur über die Grenze und Verlassen uns auf Anlagen im Ausland, die nicht die Sicherheitsstandards unserer Kraftwerke haben. Wir steigen aus der Forschung aus und vernichten unsere heimischen Arbeitsplätze.
Deutschland endet energiepolitisch in einer Sackgasse, wenn wir ideologisch Energiepolitik betreiben. Wir müssen deshalb Laufzeitverlängerung für bestehende Kernkraftwerke endlich ernsthaft in Erwägung ziehen und uns den Realitäten stellen.
Wenn wir am Kernenergieausstieg festhalten, müssen wir die Antwort geben, wie wir die ca. 30% des Strombedarfs, der derzeit durch Kernenergie gedeckt wird, durch andere Energieformen ersetzen wollen. Bis 2008 muss allein die Stromversorgung von über 7 Millionen Drei-Personen-Haushalten ersetzt werden.
Ohne längere Laufzeiten müssen wir neue Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen bauen. Das würde allerdings den Klimaschutzzielen und dem Abbau der CO2-Emmision zuwider laufen. Und Atomstrom aus dem Ausland zu importieren, ist die verlogenste und sinnloseste Alternative. Forschung und Arbeitsplätze gehen dann zu unseren Nachbarn, die den Strom dann für uns produzieren.
Der Strom aus erneuerbaren Energien wird erst in einigen Jahren in großem Umfang zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung stehen. Erneuerbaren Energien gehört ohne jeden Zweifel die Zukunft. Sie können aber derzeit den Energiehunger der Zivilisation nicht stillen.
Kurzfristig würde man durch den Kernenergieausstieg den Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken vorantreiben. Diese würden uns dann für die nächsten 30 bis 40 Jahre binden und eine Versorgungsstruktur zementieren, die den erneuerbaren Energien kaum Platz lässt. Sie würden in der Entwicklung zurückfallen.
Der gewollte Ausstieg aus der Kernenergie kann kein Dogma sein. Wenn Deutschland von Rohstoffimporten unabhängiger werden und eine sichere Energieversorgung gewährleisten will, muss es sich die Option Kernenergie offen halten.
Welche Variante der Kennzeichnung zum Nährwertgehalt auf Lebensmittelverpackungen würden Sie bevorzugen?
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